Aug 14
Die Nette: Stefanie Kloß mit Silbermond sogte für tolle Stimmung vor der Lindenbühne ©A.Albrecht
 

Das Heitere Open Air in Zofingen geht 2010 in die 20 Runde und hat am Freitag fulminant und ausverkauft begonnen. Es ist mein liebstes Open Air in der Schweiz, nicht nur, weil es vor der Haustür stattfindet, sondern auch wegen des vielseitigen Programmes und des wunderbaren Platzes auf dem Hausberg in Zofingen. Die Veranstalter verstehen es, den Riegel rechtzeitig zu schieben, so dass immer angenehme Platzverhältnisse herrschen, ausser man tummelt sich gleich vor der Bühne – aber das ist ja freiwillig. Viele Leute gehen aus Prinzip auf den Heitere, das Programm ist sekundär. Und genau dieser Umstand ergibt eine angenehme Sehen- und Gesehenwerden-Atmosphäre. Klar geht man auf den Berg, um Musik zu hören, aber nicht ausschliesslich. Man trifft nicht die Hardcore-Fans wie an anderen Konzerten, die Leute lassen sich vom Programm überraschen. Und genau das wurden sicher viele am Freitag, als Deborah Anne Dyer – bekannt als "Skin" (Bild unten) – von Skunk Anansie Vollgas gab. Vorher sorgte Stefanie Kloß (Bild oben) mit Silbermond für tolle Stimmung vor der Lindenbühne. Die Combo wusste mit ihrem deutschen Rock das Publikum mitzureissen, Frontfrau Stefanie Kloß hatte die Heitere-Besucher im Nu im Sack, während auf der Parkbühne für Skunk Anansie aufgebaut wurde. Nach Silbermond spazierte das Volk gut gelaunt und amüsiert hinunter zur kleineren Bühne, wo Skin die Szene gleich mit Vollgas stürmte. Hier ging es ein gutes Stück härter zu als zuvor, was die einen freute, die anderen aber aus ihrem süssen Silbermond-Träumen riss. Auch textlich – jetzt natürlich wieder in englisch – geht es bei Skunk Anasie heftiger zur Sache – politisch, sexuell und sehr direkt. Das diese gegensätzlichen Bands mit ihren beiden Frontfrauen direkt aufeinander folgten, war sehr spannend – zuerst das nette, dann das böse Mädchen.

Die Böse: Skin stürmte die Bühne gleich mit Vollgas    ©A.Albrecht


P.S. Für mich persönlich war der Auftritt von Sens Unik, der wiedervereinten Rap-Truppe um Carlos Leal (Bild) aus Lausanne, ein Höhepunkt. Zu meinen DJ-Zeiten haben wir "to the moon pleace" rauf- und runtergespielt. Der schnelle old-scool-Rap war ein Renner und er kam auch gestern sehr gut an – immer noch. Carlos Leal's Stimme kommt klar hinüber, für mich ist er nach wie vor der beste Rapper in der Schweiz – Stress oder Bligg hin oder her. Sens Unik hat sicher vielen heutigen Rap- und Hip-Hop-Combos der Schweiz als Wegbereiter gedient. Auch der Auftritt an und für sich – auf dem Bild gesellt sich Leal gerade zum Publikum – war trés sympa und im Gegensatz zu anderen Hip-Hopern überhaupt nicht überheblich. Laisse toi aller, sens unik.


Jul 31

Eins mal vorweg: Die 16. Ausgabe der Oltner Nachtfiebershow sorgte einmal mehr für einen unterhaltsamen, kurzweiligen Abend in der Schützi, die sich trotz Ferienzeit gut füllte. Es waren nebst den illustren Gästen gleich zwei Premieren zu sehen an diesem Abend: Die Show wurde live in das Open-air Kino übertragen (das allerdings gleich vor der Tür war) und – für mich das emotionale Highlight des Abends – unser smarter Moderator Rhaban Straumann wurde zum ersten Mal während einer Show geküsst. Diesen Begrüssungsschmatz bekam der redegewandte Schauspieler, der fast ein wenig die façon verloren hatte, von niemand geringeren als von der attraktiven Sängerin Jessy Howe. Beschwingt kam die schöne Musikerin auf die Bühne und begrüsste den überraschten Moderator mit züchtigen Küsschen auf die Wange. "16 Ausgaben brauchte es, bis mich jemand geküsst hat", meinte der sichtlich glückliche Straumann. Doch damit nicht genug: Als sich aus der ersten Reihe während des Auftrittes von Jessy Howe niemand getraute, mit der rassigen Sängerin ein Tänzchen zu wagen, ging sie geradewegs auf den am Rand weilenden Moderator zu, um ihn an der Kravatte zum Tanz abzuschleppen. Darauf folgte eine überraschend lockere Tanzeinlage von Straumann, der dafür während des Interviews mit Jessy ein wenig ins Schleudern kam. Waren das die Nachwirkungen der Küsse oder des wilden Tanzes mit der Sängerin? So, genug der boulvardesken Schreiberei. Gestern Abend während dieser Auftritte ging es mir durch den Kopf, dass diese Geschichte eine wunderbare Blickschlagzeile gegeben hätte, wären die zwei Protagonisten ein wenig prominenter. Das Bild sieht auf jeden Fall gut aus und mit den Zeilen oben hätte der Blick ohne weiteres seine Front gefüllt, würden die zwei Beni Thurnheer und Shakira heissen. So haben wir Oltner unsere eigene, kleine Boulvard-Geschichte, die es zwar nicht in den Blick schaffte, unsere Herzen aber doch für einen Moment erwärmen konnte.Die Show hatte natürlich ganz andere Highlights, die Gäste zeigten von herrlicher Berner Satire (Heinz Däpp) über Berner Rap (Steff la Cheffe) bis zu einem akustischer Leckerbissen von Beatboxer Camero grossartige Auftritte. Für mich war das grösste Vergnügen aber, dass nebst der üblichen, schrägen Figur Alfie Battler auch der ebenso schräge Dr. W.B. Grünspan, der sonst nur auf Videoeinspielungen zu sehen ist, live zu erleben war (Bild unten). Die beiden witzigen Figuren wussten sich mit ihren Streitereien gegenseitig zur Hochform zu steigern. Ein herrliches, ungleiches Duo, dass der Nachtfieber-Show das Salz (und den Pfeffer) in die Suppe gibt.

Jul 19

Nachdem ich das ZZ Top Konzert in Locarno eine Woche auf mich habe wirken lassen, fühle ich mich doch noch dazu berufen, meinen Senf dazu abzugeben. Immerhin habe ich anfangs der 80-er während meiner DJ-Zeiten das Trio aus Texas rauf- und runtergespielt. Die erste Platte von den Bärtigen habe ich Ende der Siebziger erstanden. Damals waren die drei noch wilde Jungs aus den Südstaaten, hier noch nicht so bekannt, zuhause füllten sie Stadien mit 70'000 Leuten. Als DJ hatte man jedesmal eine Hühnerhaut, wenn man "La Grange" abspielte und das Publikum liess die Haare fliegen. Natürlich war ich gespannt, was uns die lebenden Legenden aus Houston, die alle drei auch schon 61-jährig sind, zu bieten hatten. Der Beginn, den ich noch im Fotograben zubrachte, war vielversprechend, spielten die drei doch Stücke aus den 70-ern – unter anderem "Jesus Just Left Chicago", eines meiner Lieblingsstücke. Beindruckend war, wie ein Trio so einen satten Sound in das Rund der tropischen Piazza Grande von Locarno hineinbringen konnte. Ein weiteres Highlight folgte mit einer schönen Version von "Hey Joe" von Jimmy Hendrix, dessen Abbild riesig auf der Videowand prangte. Schade, dass die Texaner "The Wind Crys Mary" nur anspielten.
Dann ging es für mich leider etwas bergab mit dem Gig. Das Trio donnerte – natürlich warteten viele darauf – ihre Hits vom 1983-er Album "Eliminator" runter. Für mich verkörperten Stücke wie " Gimme All Your Lovin " schon damals das Ende einer wunderbaren Blues-Rock-Band, die sich – wie es so schön hiess – dem Zeitgeist öffnete. Zu allem Elend musste man sich dann noch auf der Grossleinwand Ausschnitte aus den Videos mit diesem unsäglichen Auto und diesen grässlichen Autostopperinnen ansehen. Das entsprach damals wie heute nicht meiner "Clint-Eastwood-Italo-Western-Ästhetik" und ich konnte dem auch im heissen Tessin nichts abgewinnen. Sie hätten lieber den Rest des Abends das Konterfei von Jimmy Hendrix gezeigt. Als die zwei Bärtigen ihre Werkzeuge dann noch mit einer weissen Plüschfell-Gitarre bzw Bass ersetzten, war das für mich eine Überdosis 80-er Jahre. Ich muss zugeben, die Stücke selber hörten sich live besser an, als auf den Synthi-aufgepeppten Platten von damals. Aber irgendwie verkam das Ganze zu einer Selbstdarstellung mit dem Groove von "früher war alles besser". AC/DC hat das irgendwie besser im Griff. Die feiern zwar auch sich selber, kommen aber immer noch authentisch hinüber. Bei ZZ Top hatte ich den Eindruck, die zeigen einfach ein gut eingespieltes Theater und reisen als Rock-Monumente um die Welt. Viel Bewegung ist da nicht mehr drin. Zum Schluss – als Zugabe – spielten sie dann zum Glück noch einen Hit aus vor-Eliminator-Zeiten: "La Grange", das Stück, das jetzt, morgen und für immer für Hühnerhaut sorgt.

Jul 10

Zugegeben, dieser Gag ist nicht der absolute Heuler, aber lustig allemal. Und vor allem von langer Hand vorbereitet. Als ich vor zwei Jahren das letzte mal auf dieser Fähre war, ging mir genau dieser Satz durch den Kopf, weil den Mädels mächtig die Haare um die Köpfe flogen und die Frisuren eben nicht hielten. Aber eigentlich will ich nur allen Bikern meinen heutigen Ausflug schmackhaft machen (kann man natürlich auch mit dem Auto machen, ist aber sicher nicht so lustig). Wenn ihr mal am Anfang des Lago Maggiore weilt und es euch reizt, diesen (sehr langen) See zu umfahren, dann wählt am besten die "light" Version, die ich heute gemacht habe – ausser ihr seid Hardcore-Bikers mit masochistischen Zügen. Ich fuhr zuerst Richtung Luino am linken Seeufer entlang, eine wunderbare Strecke mit langgezogenen Kurven und einer prächtigen Aussicht auf den See. Ich will nicht verschweigen, dass man nach der Grenze, wo dann 90 kmh erlaubt sind, durchaus ein wenig Gas gegeben werden darf – sehr lustig dort und nicht so befahren. In Luino angekommen lohnt sich sicher ein kleiner Halt, ist es Donnerstag sogar ein längerer. Dann ist nämlich Markt und im schmucken Städchen lässt es sich super einkaufen, vor allem Spezialitäten (Essen) aus der Region, man wähnt sich im Paradies in Sachen Salami, Geisskäse und Co. Weiter geht es durch tolle Alleen Richtung Laveno, wo die besagte Fähre über den See startet.

Die fahren eigentlich ständig hin und her, Wartezeit gleich null. Für 6.90 Euro fährt man dann in 15 Min hinüber nach Intra, wo übrigens am Samstag Markt ist. Dort fand ich ein feines Portemonnaie, dass natürlich in Italien hergestellt wurde und absolut giftfrei… blablabla – auf jeden Fall schön und nicht günstig. Dann fand ich noch ein wunderbares Geschenk für meine Prinzessin. Vor der Abfahrt genehmigte ich mir noch einen Espresso in Mitten einer einheimischen Männergesellschaft, die offenbar alle unglaublich wichtige Sachen zu erzählen hatten. Der Espresso war so gut, dass ich noch einen zweiten bestellte, was bei 90 Cent durchaus drin lag. Übrigens greifen sich die Italiener in solchen Szenen wirklich hin und wieder an den Sack. Muss wohl so sein. Wenn es alle machen, stört es ja niemanden.
Dann geht es zurück Richtung Ascona, logischerweise nun auf der anderen Seite. Die ist auch sehr schön, allerdings ist die ganze Strecke auf 60 km/h beschränkt und wesentlich mehr bevölkert. Hier muss man sich schon aufs gemütliche cruisen beschränken. Kurz vor der Grenze kommt noch ein schmuckes Tourikaff, wo man sich mit allen möglichen und unmöglichen Antiquitäten eindecken kann. Heute waren noch alte Vehikel (zB. Tschingge-Rucksäckli in Rennversionen) zu bestaunen. Ich habe einen Parker-Fülli aus den 50-er Jahren erstanden. Mal schauen, ob das Teil noch geht. Schön ist es allemal.
Ganz am Schluss kann man noch einen kurzen Schlenker auf den Hügel über Ascona machen: Super Aussicht. Das Bild unten zeigt übrigens die Aussicht auf den Lago vom Balkon meines Zimmers aus. So, und jetzt geht's nach Locarno ans ZZ-Top Konzert. Not a bad day.

Jun 10

Heute musste es mal wieder sein, Lederjacke montiert, Nierengurt umgeschnallt und ab ging es mit dem Töffli Richtung Jura. Eigentlich wollte ich ursprünglich nur ein paar Daten bei einer Druckerei in Wolfwil abgeben. Das hochsommerliche Wetter bewegte mich aber dazu, die Fahrt Richtung Solothurn fortzusetzen, um im Solheure zu speissen. Gedacht, getan, das Essen war lecker und an der Aare in Solothurn ist es für uns Oltner eh ein wenig wie in den Ferien. Fatalerweise wurde das Wetter noch besser und ich überlegte, ob mich die Arbeitswelt heute noch braucht. Die Antwort schoss mir ziemlich schnell durch den Kopf: nein, überhaupt nicht. Noch schnell beim Espresso machiato ein Mail und ein Telefon erledigen und dann ging es ab auf die Strasse: on the road again. Aber zuerst musste ich mir noch ein Alibi verschaffen. Man muss wissen, einfach um des Töfffahren willens auf die Maschine zu sitzen und drauflos zu fahren, funktioniert bei mir nicht. Spätestens nach einer halben Stunde bekomme ich eine Sinnkrise und frage mich: „was machst du da eigentlich?“.

Ich brauche ein Ziel, eine Art Mission, die das Töfffahren für mich  quasi legitimiert. Auch diesbezüglich kam ich schnell zu einer Lösung. Für meine zukünftigen Arbeiten der nächsten Ausstellung brauche ich neue Orte, Locations sagen wir Fotografen neudeutsch dazu. Die Fahrt führte mich den Bielersee entlang dem Chasseral entgegen. Bei der steilen Fahrt hinauf kam mir mein Töffmechaniker in den Sinn, der mich, seit ich eine BMW 90/6 habe, offensichtlich besser mag. Er habe selber so eine Maschine gehabt anfangs 80-er Jahre, berichtete er kürzlich. Die „Gegner“ seien damals die 750-er Honda four (rätselhafterweise sprechen das ja alle alten Töfffreaks „fuur“ aus) und die 900-er Kawi gewesen. Die hätten aber bergauf auf die Jurapässe keine Chance gehabt, erinnerte er sich mit funkelnden Augen. Da kam noch einmal ein wenig der Rocker heraus beim langsam ins Alter gekommenen Töff-Spezialisten.

Ich hatte keine „fuur“ und auch keine 900 Z abzuhängen heute, nur zwei rüstige Rentner mit high-tech-Gefährten „trocknete“ ich ab. Die beiden hatten eine Ausrüstung am Leibe, mit deren Wert würde ich eine ganze Maschine kaufen. Die Wirtschaft freut's und den beiden schien es auch wohl zu seine in ihren Protektoren, Nano-tech-Materialien und Luxus-Helmen. Übrigens wurde ich in Sachen Locations auch noch fündig: im schönen Jura fand ich eine wunderbare Strasse gesäumt mit alten Bäumen, ideal für geplante Aufnahmen. Ein Zustand, den man in der Schweiz normalerweise nicht mehr findet. Überall wurden die Bäume der Alleen abgesägt, damit niemand reinfährt. Offenbar wurden diese abgelegenen Orte, die ich heute fand, noch nicht von übereifrigen Sicherheitsexperten entdeckt und „entschärft“. Ich würde heutzutage wieder viel mehr Bäume entlang der Strassen pflanzen, möglichst starke und widerstandsfähige. Wer in diese reinfährt, hat offensichtlich ein Problem mit seiner Fahrweise. In der Evolutionslehre würde man das natürliche Selektion nennen. Wie auch immer, es gibt sie noch, diese lauschigen, schönen Strässchen, die wir sonst in Südfrankreich suchen gehen.

Fazit: Mission erfüllt, Locations gefunden. Dass ich dann noch eine kleine Runde ins Elsass gemacht habe und dort ausgezeichnet gegessen habe, will ich nur noch am Rande erwähnen.

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